Unabhängigkeit der EZB

Voraussetzung für stabile Preise und Vertrauen in den Euro

Die Unabhängigkeit der Zentralbanken ist kein technisches Randthema, sie ist eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen in unsere Währung und für langfristige Preisstabilität. Nur wenn geldpolitische Entscheidungen frei von parteipolitischen Interessen getroffen werden, kann Inflation wirksam bekämpft und wirtschaftliche Stabilität gesichert werden. Genau deshalb ist klar: Die Europäische Zentralbank muss unabhängig handeln können, so wie es die europäischen Verträge ausdrücklich vorsehen. Gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage ist diese Unabhängigkeit keine Selbstverständlichkeit mehr. International geraten Zentralbanken zunehmend unter Druck, zuletzt auch durch Entwicklungen in den USA. Umso wichtiger ist es, dass Europa hier Kurs hält und ein klares Gegenmodell bleibt. Das Europäische Parlament bekennt sich zur Unabhängigkeit der EZB und verteidigt sie als tragende Säule unserer wirtschaftlichen Ordnung.

Unabhängigkeit bedeutet jedoch nicht, dass eine Zentralbank außerhalb demokratischer Kontrolle steht. Im Gegenteil: Unabhängigkeit und Legitimation gehören zusammen. Eine unabhängige EZB muss transparent handeln, ihre Entscheidungen nachvollziehbar erklären und sich kritischen Fragen stellen. Der regelmäßige Austausch zwischen Europäischem Parlament und EZB ist deshalb unverzichtbar. Dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde sich letzte Woche erneut der Debatte und den Fragen der Abgeordneten stellte, ist ein wichtiges Signal für Verantwortung und Rechenschaft.

Gleichzeitig gilt: Zentralbankunabhängigkeit ist kein Freifahrtschein. Sie funktioniert nur, wenn die EZB ihr Mandat strikt einhält. In der Vergangenheit gab es immer wieder berechtigte Diskussionen darüber, ob die EZB sich zu stark in Politikfelder vorgewagt hat, die über klassische Geldpolitik hinausgehen. Insbesondere Aktivitäten im Bereich Umwelt- und Klimapolitik haben dabei Fragen aufgeworfen. Nicht, weil Klimaschutz unwichtig wäre, sondern weil politische Zielkonflikte nicht durch technokratische Institutionen ersetzt werden dürfen. Zentralbanken sind keine Ersatzgesetzgeber.

Der beste Schutz der Unabhängigkeit ist deshalb klare Mandatstreue. Der Auftrag der EZB ist eindeutig: Preisstabilität hat Vorrang. Weitere Ziele dürfen nur nachrangig verfolgt werden und nur dann, wenn sie dieses Kernziel nicht gefährden. Eine Ausweitung des Auftrags schafft unnötige Angriffsflächen, erhöht politischen Druck und schwächt am Ende die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik.

Eine starke und unabhängige EZB braucht klare Zuständigkeiten, Transparenz und Rechenschaft. Nur so schützen wir sie vor politischer Instrumentalisierung und bewahren das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Euro.

Stellv. Vorsitzender der CDU/CSU Gruppe
im Europäischen Parlament