Mit der Ratifizierung des EU-Mercosur-Abkommens setzt Europa auf offenen, fairen und regelbasierten Handel. Für Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland bedeutet das neue wirtschaftliche Chancen, sichere Arbeitsplätze und eine stärkere internationale Wettbewerbsfähigkeit. Besonders Unternehmen aus dem Chemie- und Pharmasektor, dem Maschinenbau sowie dem Mittelstand erhalten besseren Zugang zu einem südamerikanischen Markt mit über 260 Millionen Menschen. Das schafft neue Exportchancen, sichert bis zu 440.000 Arbeitsplätze und stärkt unseren Wirtschaftsstandort nachhaltig.
Gleichzeitig entsteht eine der größten Freihandelszonen der Welt mit über 700 Millionen Menschen. Damit verbessert Europa seine Wettbewerbsposition, diversifiziert seine Handelsbeziehungen und gewinnt geopolitisch an Gewicht in einer zunehmend multipolaren Welt. Offener Handel bleibt damit ein zentraler Pfeiler für Wohlstand, Stabilität und Zukunftssicherung.
In den vergangenen Tagen haben mich vermehrt Rückmeldungen von Landwirtinnen und Landwirten erreicht, die dem MERCOSUR-Abkommen kritisch gegenüberstehen. Diese Sorgen sind ernst zu nehmen und verdienen eine differenzierte, faktenbasierte Diskussion. Gleichzeitig kursieren leider auch zahlreiche Falschinformationen, die zusätzlich für Verunsicherung sorgen. Ähnliche Erfahrungen haben wir bereits beim Freihandelsabkommen CETA mit Kanada gemacht: Auch damals äußerten viele Landwirte berechtigte Bedenken und Sorgen um ihre Betriebe. In der öffentlichen Debatte wurde das Thema jedoch über Monate hinweg vor allem von der AFD stark emotionalisiert, was die sachliche Auseinandersetzung erschwerte. Heute zeigt sich, dass sich die EU-Exporte nach Kanada seitdem um 51 % erhöht haben. Die Agrar- und Lebensmittelausfuhren aus der EU erreichten mit 235 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert (+2,8 %). Diese Entwicklung verdeutlicht, wie wichtig es ist, Handelsabkommen nüchtern zu bewerten und dabei sowohl Chancen als auch Herausforderungen für die Landwirtschaft offen zu benennen.
Für uns als CDU steht seit Beginn der Verhandlungen vor 25 Jahren fest, dass unsere Landwirte nicht die Verlierer von Mercosur sein dürfen. Dafür haben wir uns in jeder Verhandlung eingesetzt und stark gemacht. Genau deshalb wurde Mercosur mit klaren Schutzmechanismen für die europäische Landwirtschaft ausgestattet.
Für besonders sensible Produkte wie Rindfleisch gilt kein freier Marktzugang, sondern eine strikte Begrenzung. Das jährliche Importkontingent liegt bei lediglich 99.000 Tonnen, auf die weiterhin ein Zoll von 7,5 Prozent erhoben wird. Diese Menge entspricht nur rund 1,5 Prozent der gesamten EU-Rindfleischproduktion. Alles, was darüber hinausgeht, bleibt durch hohe Zölle praktisch vom europäischen Markt ausgeschlossen. Auch Geflügel, Schweinefleisch und Zucker sind durch vergleichbare Quoten geschützt.
Zusätzlich greift eine neue EU-Notbremse: Bereits bei einem Importanstieg oder Preisrückgang von fünf Prozent kann die EU die Zollvergünstigungen wieder aussetzen. Für sensible Produkte gelten verkürzte Fristen und ein kontinuierliches Marktmonitoring. Damit wird nicht erst reagiert, wenn Betriebe bereits in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, sondern frühzeitig gegengesteuert.
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Gleichbehandlung bei Standards. Alle Agrarimporte aus den Mercosur-Staaten müssen die gleichen strengen EU-Vorgaben erfüllen wie heimische Produkte. Dies gilt bei Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Rückständen, Pestiziden, Tierwohl und Nachhaltigkeit. Billigimporte aus niedrigeren Produktionsstandards sind damit ausgeschlossen. Fairer Wettbewerb bleibt die Grundlage.
Sollte es trotz dieser Schutzmechanismen zu Marktverwerfungen kommen, stehen der EU Milliardenmittel für Krisenhilfen und Marktstützungsprogramme zur Verfügung, um landwirtschaftliche Betriebe schnell zu unterstützen und abzusichern.
Gleichzeitig eröffnet das Abkommen der europäischen Landwirtschaft neue Absatzmärkte. Produkte wie Milch, Käse, Schweinefleisch, Wein und verarbeitete Lebensmittel erhalten besseren Zugang zu einem Markt mit über 260 Millionen Menschen in Südamerika. Gerade in diesen Bereichen ist die europäische Landwirtschaft besonders wettbewerbsfähig. Für viele Betriebe bedeutet Mercosur daher mehr Exportchancen statt mehr Importdruck.
Das EU-Mercosur-Abkommen ist damit kein Abkommen gegen die Landwirtschaft, sondern eines mit klaren Leitplanken für Fairness, Schutz und Verantwortung. Begrenzte Importmengen, Zölle, eine wirksame Notbremse, gleiche Standards und finanzielle Rückendeckung sorgen dafür, dass Europas Bauern vom internationalen Handel profitieren können, ohne unter unfairen Wettbewerbsdruck zu geraten.
